Heinrich-Brügger-Schule
Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum
 
 
 
 

REHAKOLUMNE

Reha first?!

Melsungen - In den zurückliegenden Wochen haben wir alle dem Trommelfeuer der Wahlversprechen gelauscht. Kaum zu glauben: Die Parteien habe eine Meinung zu Rehabilitation in ihren Positionspapieren formuliert. Die eine oder andere hat ihre Überzeugungen sogar mit Zahlen untermauert – immerhin, möchte man meinen, wenn man konsterniert über den Atlantik schaut, wie dort nicht nur in der Gesundheitspolitik faktenbefreit Entscheidungen fallen. 
Aber wir können von den amerikanischen Gegebenheiten auch lernen: Auf Rehathemen in 140 Twitterzeichen achten mehr Leute, als auf Fachartikel im Nischensegment. Und Schlagworte haben ihren Nutzen! Was halten Sie von:   
  
Reha first   
  
in der deutschen Gesundheitspolitik?   
  
Vorsorge- und Rehaeinrichtungen versorgen jährlich zwei Millionen Patienten ambulant und stationär. Zwei Drittel aller Betten werden von privaten Trägern gemanaged und auf diese Weise mehr als 1,2 Millionen Patienten jedes Jahr behandelt. Trotzdem gelten Leistungen in der Reha nicht als gleichberechtigt im Vergleich zur medizinischen Akutversorgung. Erst, wenn alle Möglichkeiten eines Krankenhauses ausgeschöpft sind oder keinen Erfolg mehr versprechen, dürfen wir an den Patienten ran – dabei sollte eine Reha sofort empfohlen werden können, wenn sie medizinisch sinnvoll ist. Die Nachrangigkeit von Reha muss auf jeden Fall aus dem Gesetz gestrichen werden!   
  
Medizinisch sinnvoll ist es sicher nicht, dass eine Rehabilitation nur alle vier Jahre möglich ist, unabhängig vom Krankheitsbild. Ein Anspruch auf Reha muss sich vielmehr daran orientieren, ob Reha dem Patienten eine Verbesserung seiner gesundheitlichen Situation bringt und, ob sie seine Teilhabe am beruflichen wie privaten Leben verbessert. Die Vierjahresfrist gehört abgeschafft!  
  
Abgeschafft gehört längst auch das Rehabudget. Schließlich sollte nicht das staatliche Geldsäckel darüber befinden, was Patienten benötigen, sondern die medizinische Notwendigkeit. Und wenn wir dann noch die Rehavergütung regeln, indem wir die Grundlohnsummenbindung im SGB V streichen, dann können Rehakliniken endlich die Patienten adäquat versorgen. Und Kliniken bekommen ihre Kostenentwicklungen aus den Tarifabschlüssen gegenfinanziert.   
  
Das kommt nicht zuletzt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kliniken zu gute. Diese könnten endlich für ihre verantwortungsvolle und von der Gesellschaft geschätzte Arbeit mit einem Einkommen rechnen, von dem sie gut leben können.   
  
Welche Koalition auch immer im September in Berlin das Sagen hat: Sie wird daran gemessen, ob sie die Weichen stellt für eine Bevölkerung, die gesund und selbstbestimmt leben möchte. Ein vernünftiger ordnungspolitischer Rahmen, der Wirtschaftlichkeit belohnt, maßvolle Regulierung und patientenorientierte Gesetzesnovellierungen würden zeigen, dass Rehabilitation in ihrer Tragweite für die Gesellschaft ernsthaft wahrgenommen wird – Reha first!  
  
 
Führen und Wirtschaften im Krankenhaus vom 1.8.2017, Autor: Ellio Schneider.  
  
Veröffentlicht am: 23.08.2017  /  News-Bereich: News über den Träger
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