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WANGENER TAG DER KINDERKLINIKEN 17.07.2010 Neueste mediznische Erkenntnisse in der Kinderheilkunde dargelegt

Am 16. Juli stellten Dr. Thomas Spindler, Dr. Dirk Dammann und Alwin Baumann das Programm des Wangener Tages der Kinderkliniken, einer breit gefächerten Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte, aber auch Lehrer, Erzieher und jeden Interessierten, vor. Schwerpunkt der Veranstaltung liegt zum einen auf der Vorstellung der neuen Leitlinien zur Behandlung von Asthma, an deren Erstellung und Umsetzung die Experten der Fachkliniken Wangen mitgearbeitet haben.
Dr. Thomas Spindler, Chefarzt an den Kinderkliniken der Fachkliniken Wangen, legte neue Erkenntnisse – einen Paradigmenwechsel in der Patientenberatung - und ihre Umsetzung in den Therapien dar. Zweites großes Thema der Fachveranstaltung ist der Zusammenhang zwischen Medien und zunehmender Gewalt bei Kindern und Jugendlichen.
Den neuen Medien wurde, nicht zuletzt weil dieses Thema immer wieder traurige tagespolitische Relevanz erhält, der Nachmittag des „Tages der Kinderkliniken“ gewidmet. Im Mittelpunkt stand dabei die Medienerziehung um dem Trend zur „Medienverwahrlosung“ entgegenzuwirken. „Kreative Begleitung statt Kapitulation“ lautet die Empfehlung der Fachärzte, Therapeuten und Lehrer an den Fachkliniken Wangen. Dr. Dirk Dammann, Chefarzt an den beiden Kinderkliniken, skizzierte während der Pressekonferenz die wesentlichen Entwicklungen und Zusammenhänge.
Das Programm
Der Fachtag der Kinderkliniken Wangen steht am Vormittag unter den Themen Allergologie und Atemwegswerkrankungen.
Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung des Kindes- u. Jugendalters. Nahezu jedes zehnte Schulkind in Deutschland leidet an dieser Erkrankung und hat Anspruch auf eine angemessene Therapie, so Dr. Thomas Spindler, Chefarzt an den Kinderkliniken.
Praxisnahe Leitlinien verabschiedet
Die neuen Therapieleitlinien sind deutlich praxisnäher gestaltet als bisher und werden vorgestellt und diskutiert. Ebenfalls vorgestellt werden die neuen Leitlinien zur Prävention allergischer Erkrankungen. Hier zeichnet sich ein deutlicher Wechsel in dem Empfehlungen ab. Wird Kindern mit Allergiegefährdung eher vom Verzehr hochallergenen Nahrungsmittel im 1. Lebensjahr abgeraten, so scheint sich hier ein Sinneswandel zu vollziehen. Es wird empfohlen im 1. Lebensjahr bereits auch allergene Nahrungsmittel wie Fisch aus präventiven Gründen zu geben.
Ein weiterer Schwerpunkt sind psychogene Atemstörungen als wichtige Unterscheidung zum Asthma bronchiale. Gerade Jugendliche sind hier besonders gefährdet in einen Kreislauf aus Atemnot und nicht notwendiger medikamentöser Therapie zu geraten.
Ein neues Angebot der Fachkliniken ist die Behandlung der schweren kindlichen Epilepsien. Hier stellt der Schwerpunkt die alternativen Behandlungen zu bisherigen medikamentösen Therapie darstellen.
Der Nachmittag steht unter dem Schwerpunkt von Wirkung und Nebenwirkungen neuer Medien in der Entwicklung von Kindern.
Jugendliche Patienten sitzen mitunter Stunden vor ihrem Rechner, chatten, simsen, twittern. Die Grenze zur Medienverwahrlosung ist eng, betonte Dr. Dirk Dammann, Chefarzt, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
Der Medienverwahrlosung vorbeugen
Ein Übermaß an Fernsehen macht dick, dumm, traurig und schlechte Schulleistungen. Kinder mit eigenem Fernseher auf dem Zimmer wiegen im Schnitt über 1 kg mehr. Abhängigkeit bzw. suchtähnliches Verhalten droht. Die neurobiologische Forschung zeigt im Hirnstoffwechsel Ähnlichkeiten wie dem bei Süchten. In Summe zeigen 4,3 Prozent der Mädchen aber 15,8 Prozent der Jungen ein exzessives Spielverhalten von über 4,5 Stunden am Tag. Mit 3 Prozent Abhängigkeit sind 10 mal so viele Jungen PC-süchtig, wie Mädchen.
Hier ist der steuernde Erziehungsauftrag der Eltern gefragt.
Als Tipp für eine Früherkennung kann gelten, dass es gefährlich wird, wenn Kinder und Jugendliche ihren Alltag auf den PC ausrichten und nicht mehr umgekehrt, wenn emotionale Auffälligkeiten auftreten, mit Ausrastern, Rückzug, Vernachlässigung von Hobbys und Schule, fortgesetzter Konsum trotz negativer Folgen und zunehmende Unfähigkeit die Spielezeiten selbständig zu steuern. Erwachsene, die als Kind mehr als drei Stunden pro Tag vor dem Fernseher verbrachten, hatten mit 26 Jahren öfter keinen Schulabschluss; die mit den niedrigsten Fernsehzeiten hatten am häufigsten einen Universitätsabschluss. Und dies auch, wenn man den Faktor des sozialen Status herausrechnet.
So, wie der Fernseher dick macht, macht der PC auf dem Kinderzimmer schlechte Schulleistungen: Kinder der vierten Klasse, die über keine eigene Medienausstattung, bestehend aus Fernseher und Spielkonsole, im Kinderzimmer verfügen, schneiden in den Schulfächern Deutsch, Sachkunde und Mathematik um 0,2 bis 0,4 Notenpunkte besser ab als die Vergleichsgruppe mit dieser Medienausstattung. Der PC wird von Kindern vorrangig zum Spielen genutzt und steht somit in Konkurrenz zum Lernen für die Schule. Die Bewegungsarmut verstärkt diesen Effekt noch.
Noch dramatischer: Seit Beginn der Entwicklung und Einführung von aggressiven PC-Spielen ist die Schulleistung von Jungen im Vergleich zu Mädchen drastisch gesunken. Dies betrifft auch schulmeidendes Verhalten und Schulabbrüche. Das kriminologische Forschungsinstitut Hannover sieht darin nur einen Grund: Der hohe Faszinationsgrad aggressiv gefärbter PC-Spiele, der gelerntes Wissen quasi wieder löscht oder die Leistungsfähigkeit blockiert. Eine andere Ursache konnte in den Studien bisher nicht gefunden werden.
Auf die extrem hohe Suchgefahr von Spielen wie WOW sei an dieser Stelle hingewiesen. Sie erklärt sich aus dem System unzuverlässiger, unregelmäßiger Belohnungen in dem Spiel.
Gewaltbereitschaft nimmt zu
Welchen Zusammenhang Medienkonsum mit der zunehmenden Gewaltbereitschaft in der Jugendlichen Bevölkerung hat, wird gegenwärtig kontrovers diskutiert. Es gibt keinen Beweis, dass aggressive PC-Spiele Gewalt im Alltag verursachen. Bei einer entsprechenden Veranlagung begünstigen sie jedoch eine sich entwickelnde Gewaltbereitschaft.
Wir erleben aber eine Zunahme an Gewaltbereitschaft mit überschießender Aggression und Mangel an Empathie bei einem gleichzeitigen Rückgang der Gewalttaten in der Summe. Hier gibt es eine Diskrepanz zu der von den Medien dargestellten Gewalt. Es entsteht aber der Eindruck, dass die Summe der Gewalterfahrungen zwar abnimmt, in einer kleinen Gruppe von Tätern aber eine Zunahme der Schwere zu sehen ist. Die Zunahmen in der Polizeistatistik sind auf ein verändertes, zunehmendes Anzeigenverhalten zurückzuführen. Der stärkste Einfluss auf Jugendgewalt geht von der Zahl delinquenter Freunde in der Peergroup aus. Aber auch übermäßig strenge Erziehung mit einem Mangel an Wärme ist ein Risikofaktor. Einen der stärksten präventiven Faktoren schafft die Verbesserung von Bildungschancen.
Alwin Baumann, Verwaltungsleiter, Dipl.-Sozialpädagoge, erläuterte die Antragsverfahrenen für Kinder- und Jugendrehabilitation.
Die Bedeutung der Rehabilitation im Kindes- und Jugendalter ist für die Kinder- und Jugendärzte sowie Hausärzte enorm gestiegen. Dies zeigt sich an der Zahl der chronisch kranken Kinder und Jugendlichen, die durch die Deutsche Rentenversicherung eine vier- bis sechswöchige Rehabilitationsmaßnahme erhalten haben: Sie hat sich in den letzten 10 Jahren von 26.250 (1999) auf 36.250 (2009) erhöht. 2009 investierte die Rentenversicherung dafür 183 Millionen Euro.
Unklare Abgrenzung der Zuständigkeiten
Große Schwierigkeiten bereitet nach wie vor die Antragstellung. Nur 45 Prozent der von den niedergelassenen Ärzten beantragten Maßnahmen wurden tatsächlich durchgeführt. Das Problem ist die unklare Abgrenzung zwischen Renten- und Krankenversicherung und gegenüber Vorsorge- und Mutter-Kind-Maßnahmen.
Die Deutsche Rentenversicherung hat die Möglichkeit geschaffen, Hinweise zur Antragstellung und die Anträge selbst der Homepage der Rentenversicherung zu entnehmen.
Die Fachkliniken Wangen stellen den einweisenden Ärzten ein Hinweisblatt zur Antragstellung zur Verfügung.
2009 hat die Rehabilitationskinderklinik der Fachkliniken Wangen 1592 Kinder und Jugendliche betreut. 670 jüngere Kinder darunter wurden die ganze Zeit von der Mutter oder dem Vater begleitet. Die Hauptdiagnosen waren im Bereich der Atemwegserkrankungen und Allergien: Asthma und Neurodermitis und im Bereich der psychosomatischen Erkrankungen: Adipositas, ADHS, Störung des Sozialverhaltens und Anpassungsstörungen.
Die Verweildauer lag im Schnitt bei 35 Tagen. Die Kinder und Jugendliche kamen zu 40 Prozent aus Baden-Württemberg, zu rund 20 Prozent je aus Bayern und Hessen und den restlichen Bundesländern. |
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